
Presseartikel
Westdeutsche Allgemeine Zeitung:
Originelle Urlaubsalternative: Tausche München gegen Miami
Gratis in die Welt: Mit der Haustausch-Börse
Biete Mühlheim an der Ruhr gegen Südseeinsel
Hawaii Südafrika, Neuseeland - Ehepaar Fuchs aus Mülheim reist
gerne durch
die Welt. Damit das Fernweh nicht zu kostspielig wird, laden sie
die Welt zu
sich nach Hause ein.
Während die Mülheimer in Honolulu die Goldfische ihrer Gastgeber
füttern,
versorgen die Insulaner zwei Katze, im Ruhrgebiet.
Mein Haus, mein Auto, mein Boot, gegen dein Haus, dein Auto, dein
Boot: Hier
basiert das Reisen auf dem Tauschprinzip. Dabei ist es nicht
wichtig, ein
besonders luxuriöses Domizil anzubieten. Eine Mietwohnung tut es
auch.
Vorausgesetzt, man findet jemanden der dort seine Zeit verbringen
möchte.
Jedes Jahr neu veröffentlicht die Tauschbörse "HomeLink"
die Adressen von
Reiselustigen aus aller Welt in ihrem Katalog oder im Internet.
Per E-Mail
treten die Tauschpartner in Kontakt.
"Wer will schon ins Ruhrgebiet ?", fragte sich
Michael Fuchs bei seinen
ersten zarten Urlaubsanbahnungen. Die Furcht war unbegründet.
Für
Menschen Übersee liegt das Revier mitten in "good old
Germany". Ein idealer
Ausgangspunkt für Trips quer durch Europa. Kanadische
Bergführerinnen
bestiegen von Mühlheim an der Ruhr aus das Jungfraujoch in den
Alpen,
Südafrikaner jetteten mal kurz nach London. Doch alle gemeinsam
verliebten
sich in das Nahziel Villa Hügel. Und in das Läuten der
Kirchenglocken in
Fuchs Nachbarschaft.
Was Haustauscher süchtig macht nach Haustausch ist nicht allein
die
Gratis-Unterkunft, noch das hemmungslose in die Ferne schweifen.
Es ist das
Eindringen in den Alltag der Menschen. "In Neuseeland sind
mir vom Bruder
unserer Gastgeber am Weihnachtsabend eingeladen worden"
erzählt Michael
Fuchs. "Auf eine Farm mit tausend Schafen." Kuriosum
Viehzucht: Wenn das
Gras nass ist, rutschen die Schafe aus und liegen strampelnd auf
dem Rücken.
Dann fährt Farmer Wallace mit dem Jeep über seine Wiesen und
stellt die
Tiere wieder auf die Füsse. Bei dieser Prozedur war der
Mülheimer live dabei.
Ein mitgebrachtes Foto beweist: Schaf spielt Käfer.
Familie Sirringhaus aus Hattingen zieht es vor, selbst zuhause zu
sein, wenn
sich Besuch aus Amerika ansagt. Doch nicht aus Misstrauen.
"Unter
Haustauschern ist es Ehrensache, ein guter Gastgeber und ein
sorgsamer Gast
zu sein. Ich würde unser Haus jederzeit anderen
anvertrauen." Doch Susanne
Sirringhaus liebt es, neue Leute ganz privat kennenzulernen, und
sich mit
fremden Augen das Eigene noch einmal anzusehen. So zog sie dann
mit Cathy
und Elizabeth aus Washington D.C. quer durchs Revier:
Schiffshebewerk
Henrichenburg, Duisburg Meidrich bei Nacht, Hattingens
Fachwerkhäuser.
"Lushly green" fanden die Ladys die Umgebung. Vielleicht
nicht ganz so grün
wie Neuseeland. Aber immerhin.
Neugierig sind Haustauscher und weltoffen. Sie verlassen gerne die
üblichen
Routen und fühlen sich wohl damit, eine Zeit in einem anderen
Leben zu
verbringen, im Bücherregal ihrer Gastgeber zu kramen, oder
Holzöfen
anzuwerfen
Sogar das Haushüten gehört zum Programm: Kurz vor den
Herbstferien erreichte
Teresa Albrecht aus Essen ein Hilferuf vom Genfer See: "Wir
wollen nach
Marokko fliegen, aber wer kümmert sich um unsere Hühner?"
Also reisten die
Albrechts in die Schweiz und trugen jeden Abend den Hahn in den
Keller.
"Wegen der Nachbarn", erklärt Frau Albrecht,
"damit das Krähen die Leute
nicht zu früh weckt" Ein Gegenbesuch der Genfer ist noch
nicht vereinbart.
Aber mit den paar Brieftauben hierzulande würden sie auch noch
zurechtkommen.
Autor: Eva Schmidt
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