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Suche Venedig, biete BerlinDas amerikanische Modell des Häusertauschs kommt auch in Deutschland in Mode. Für wenige Wochen oder Tage wohnen Urlauber in fremden vier WändenDie Idee reifte auf einem Campingplatz in
Dänemark. Es regnete und regnete, an Strandspaziergänge war nicht zu denken.
Mit den drei Kindern im engen Wohnwagen wollte keine Urlaubsstimmung
aufkommen. Damals beschlossen Maria und Heribert Grieser, sich im nächsten
Urlaub auf ein Experiment einzulassen, den Haustausch. Die Griesers bieten seither ihr Eigenheim in
einer Haustauschbörse an. Für drei oder vier Wochen im Jahr wechseln sie den
Wohnsitz mit einer anderen Familie irgendwo in Europa oder der übrigen Welt.
"Bedenken, unser Haus Fremden zu überlassen, hatten wir schon. Aber nach
Gesprächen mit erfahrenen Haustauschern haben wir den Schritt gewagt und das
nicht bereut", berichtet Maria Grieser. Bereits 23mal hat die Familie seit 1993 durch
Vermittlung über Homelink in fremden Betten geschlafen, in manchen Jahren
fuhren die fünf sogar dreimal in die Ferien. Nach Belgien führte sie ihre
erste Reise als Haustauscher, danach urlaubten sie in Kanada, Schweden,
Norwegen, Spanien und Italien. In den USA und Großbritannien ist der
Immobilientausch seit Jahrzehnten populär. Auch in Deutschland wachsen die
Anhänger des Hauswechsels. Homelink, die größte Tauschbörse mit weltweit 16
000 Mitgliedern, hat in Deutschland mittlerweile rund 1000 Teilnehmer. "Das
sind nicht unbedingt Leute, die sparen müssen, sondern viele Ärzte, Lehrer,
Ingenieure und Pensionäre mit gehobenem Einkommen und gehobener Bildung. Sie
schätzen den Individualurlaub", sagt der Gründer von Homelink Deutschland,
Manfred Lypold. Nicht nur Häuser und Wohnungen können getauscht werden,
sondern auch Ferienhäuser. Die Fußball-Weltmeisterschaft beflügelt den
Immobilienwechsel in Deutschland zusätzlich. Während sonst vor allem die
Hauseigentümer aus München oder Heidelberg leicht Tauschpartner aus Übersee
begeistern können, stehen derzeit auch andere Standorte hoch im Kurs,
berichtet Manfred Lypold. So urlaubt eine Leipzigerin gerade im sonnigen
Kalifornien. Sie wollte dem Fußballtrubel entkommen, während ihre
amerikanischen Gastgeber Karten für die Weltmeisterschaft ergattert hatten.
180 Häuser und Wohnungen an den Fußballspielstätten wurden bei Homelink
angeboten und zum großen Teil auch vermittelt. Seit der Verbreitung des Internets boomt der
Hauswechsel. Früher wurden vor den Ferien lange Korrespondenzen geführt,
heute verabreden sich die meisten Hausherren per E-Mail. Wer seine Bleibe
für ein Wochenende oder länger wechseln will, muß Mitglied einer Tauschbörse
werden und sein Domizil einstellen. "Man sollte beim Reiseziel allerdings
flexibel sein, vor allem im Süden ist es schwierig, etwas zu finden. Dort
schreiben viele Hausbesitzer gar nicht mehr zurück, weil sie so viele
Anfragen bekommen", berichtet Maria Grieser. Einen Reinfall hat die Familie bei den
Tauschreisen noch nicht erlebt. Ärgerlich war es jedoch, in Kopenhagen in
einer Wohnung zu nächtigen, wo gerade die Fenster gewechselt wurden. Alles
war voller Staub, und die Mieter hatten darüber nicht informiert. "Ansonsten
sind die Vorstellungen über Sauberkeit und Ordnung manchmal unterschiedlich,
aber man sollte tolerant sein, schließlich haben wir ja auch eine kostenlose
Bleibe", sagt sie.
Um die Sicherheit ihrer Häuser vor Diebstählen oder Schäden sorgen sich
viele Hausherren. "Ein Raub oder Diebstahl ist in über 55 Jahren noch
nie vorgekommen. Das wäre auch schwierig, da uns alle Daten beider
Partner vorliegen", beschwichtigt Manfred Lypold. Böse Überraschungen
könne man durch gute Vorbereitung ausschließen. Viele Partner
korrespondierten schon lange vor dem Urlaub und bekämen so einen genauen
Eindruck voneinander.
Die meisten Schäden seien während der Anwesenheit der Tauschfamilie
durch die Hausratversicherung des Gastgebers und die Haftpflicht des
Gastes gedeckt. Häufig tauschen beide Seiten auch ihre Autos aus. Dann
müssen zusätzliche Vereinbarungen für den Fall eines Schadens getroffen
werden. Solcher Ärger blieb den Griesers erspart. Mit der Zeit hat Maria
Grieser gelernt, den Interessenten ihr Haus im Norden
Schleswig-Holsteins schmackhaft zu machen. "Das ist ja nicht gerade die
gesuchte Urlaubsgegend", sagt sie. Aber die Nähe von Nord- und Ostsee
und Hamburg sei für viele Besucher attraktiv. In diesem Jahr ist der
Austausch mit einem französischen Paar gelungen. Diesmal zieht es die
Griesers nach Paris. Ein 120-Quadratmeter-Appartement über den Dächern
der Stadt lockt. Susanne Ziegert |
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