Presseartikel

Deutsche Presseagentur (1987)


"Haustausch ermöglicht preiswerten Familienurlaub" , Hamburg (dpa)


Joan O`Brien aus dem kleinen Ort Wayland bei Boston im US-Bundesstaat Massachusetts denkt noch heute begeistert an die Radtouren und das tägliche Müsli während ihres Deutschlandurlaubes. Paul McShane aus Scituate, ebenfalls in Massachusetts, schrieb an seine neuen deutschen Freunde, wie gut ihm das Bier im Konstanzer „Bermuda-Dreieck", einer Ansammlung von Szene-Kneipen in der Bodenseestadt, geschmeckt habe. Die Amerikaner gehören zu einer kleinen Gruppe von Urlaubern, die im Zeitalter des Massentourismus tatsächlich noch individuell reisen. Sie beteiligen sich am Haustausch. So kann man ziemlich preiswert für ein paar Wochen zu einer Villa in Kalifornien oder einem Bungalow auf Hawaii kommen. Wenn auch die Amerikaner das größte Kontingent an tauschwilligen Urlaubern stellen, so gibt es auch viele Ziele in Europa im Katalog. Die Haustausch-Idee wurde in den 30er und 40er Jahren in den USA geboren. Es waren hauptsächlich Universitätsdozenten, die für kurze Zeit an eine andere Hochschule gingen und so für sich und ihren Familien ein Quartier fanden. Die erste Organisation wurde dort 1952 gegründet. In Europa begannen in den 50er Jahren ein Schweizer und ein holländischer Lehrer auf privater Basis mit dem Haustausch. Seit 1977 organisiert in Deutschland der Holiday Service e.V.. Bekanntester Haustauscher war übrigens der spätere US-Präsident Jimmy Carter, der 1976 im Haus einer brasilianischen Familie Ferien machte. Eigeninitiative ist nötig. Der Haustausch für den Urlaub ist recht unkompliziert, verlangt aber ein hohen Maß an Eigeninitiative. Wer ein interessantes Tauschobjekt gefunden hat, muß mit dem Besitzer Kontakt aufnehmen, und wer selbst inseriert hat, wird allerlei Briefe zu beantworten haben. Ist die Verabredung zum Tausch zustandegekommen, gilt es bestimmte Vorbereitungen zu treffen: Tauschpartnern aufzuschreiben, wie Waschmaschine und Heizung funktionieren oder wo der nächste Arzt zu finden ist. Doch wissen erfahrene Haustauscher, daß diese Vorarbeiten die Vorfreude auf den kommenden Urlaub erhöhen. „Und so macht es ja schließlich auch die Gegenseite", meint Manfred Lypold vom HomeLink e.V.. Normale Versicherungen, etwas die von Hausrat, behalten ihre Gültigkeit und wenn man - wie meistens üblich - das Auto mittauscht, dann kann man auch für einige Wochen eine Vollkaskoversicherung abschließen. Lypold hat nach über 27 Jahren Haustausch in der Bundesrepublik von seinen Kunden nur ganz selten Klagen gehört. Im Gegenteil: 98 Prozent der deutschen Haustauscher wollen wieder auf diese Weise Urlaub machen. Dies ergab eine Befragung in einer Soziologie-Diplomarbeit, die sich dieses Themas angenommen hat.

Autor: Frank Heidmann

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