Traveller`s Magazin  


Schlüsselerlebnisse

Mal Hand aufs Herz: Wäre Ihnen bei dem Gedanken wohl, daß wildfremde Leute an Ihrer Matratze horchen, an Ihrer Waschmaschine herumfummeln oder sich in Ihrer Badewanne aalen? Rund 10 000 Bundesbürger finden diese Vorstellung nicht nur großartig, sondern haben das schon praktiziert. Sie gehören zu der eingeschworenen Clique der Häusertauscher, die während der Ferien ihrem Tauschpartner Heim und Herd überlassen, während sie es sich in dessen vier Wänden - irgendwo in Amerika, Südafrika oder im Fernen Osten - bequem machen. Rund die Hälfte der jährlich 15 000 Häuser- oder Wohnungstauscher rekrutiert sich aus US-Bürgern. Obwohl „homeswapping" bereits in den 30er Jahren in Nordamerika Wurzeln schlug, kam diese Urlaubsidee erst richtig en vogue, nachdem bekannt geworden war, daß der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter Tisch und Bett seiner Erdnußfarm in Plains/Georgia mit einer brasilianischen Familie getauscht hatte.
Auf diesem Weg gelangt man nicht nur zu einer kostenlosen Urlaubsunterkunft, sondern hat auch die Möglichkeit, mitten ins „richtige Leben" des Gastgeberlandes einzutauchen. Während hierzulande - trotz wachsender Beliebtheit des Häusertausches - diese Ferienidee nur sehr reservierten Anklang findet, finden die unkomplizierten Nordamerikaner überhaupt nichts dabei. Wie eine kürzlich erstellte Diplomarbeit (Thema:"Der Tausch von Privathäusern während der Ferien") verdeutlicht, ist der größte Teil der Leute mit Tauscherfahrungen vom home-swapping begeistert: 95 Prozent der befragten Bundesdeutschen benoteten ihre Erfahrungen mit „sehr gut" oder „gut", und fast alle beantworteten die Frage, ob sie wieder tauschen würden, mit einem klaren „Ja." Wie findet man nun einen geeigneten Tauschpartner? Im oberfränkischen Memmelsdorf bei Bamberg hat sich vor 16 Jahren der „Holiday-Service" angesiedelt, der in seinem Tauschbuch rund 10 000 Tauschobjekte in aller Welt zusammengefaßt hat. Knapp die Hälfte aller Angebote kommt aus den USA, der Rest verteilt sich auf Länder in allen fünf Kontinenten. Jedes Objekt ist mit codierten, international verständlichen Zeichen detailliert beschrieben; sie geben über die Art, Größe, Einrichtungen und Wohnlage ebenso Auskunft wie über den Beruf des jeweiligen Besitzers und die Verfügbarkeit von Autos oder Sportgeräten. Hat man sich für ein bestimmtes Haus oder eine Wohnung entschieden, gilt es, sich mit den Hausbewohnern in Verbindung zu setzen und ihnen die eigene Behausung in Good Old Germany schmackhaft zu machen. Es ist anzunehmen, daß der Besitzer eines Wasserschlosses bei der Tauschpartner-Suche auf mehr Erfolg stoßen wird als der Bewohner einer Eineinhalb-Zimmer-Studentenbude. doch wie erfahrene Häusertauscher bestätigen, erweist sich die Befürchtung, daß das eigene Haus als Tauschobjekt nicht gut genug ist, meist als völlig unbegründet.

 

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