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Geo Saison – Das Reisemagazin Oktober 10/2004

 

BIETE BAYERN, SUCHE AMERIKA

 

Im Urlaub wohnen wie die Einheimischen, ohne etwas für die Unterkunft zu bezahlen: gar nicht schwer – wenn man bereit ist, sein Haus oder seine Wohnung zu tauschen.

Wie das funktioniert? GEO SAISON sprach mit Manfred Lypold, dem Vorsitzenden des Vereins „ HOMELINK“.

 

GEO SAISON: Haben Sie selbst nach dem Prinzip schon Ferien gemacht?

MANFRED LYPOLD: Schon öfter. Wir waren in Irland, Spanien, Südafrika. Unser erster Versuch fand in Oldenburg statt. Wir wohnten im Haus eines Polizisten. Da seine zwei Kinder genauso alt waren wie unsere, war sogar das passende Spielzeug vorhanden, wir mussten noch nicht einmal die Fahrradsattel verstellen. In der Zeit wohnte die Familie in unserem Haus in Bayern.

 

GEO SAISON: Was sind die Voraussetzungen für den Austausch?

MANFRED LYPOLD: Man zahlt eine Jahresgebühr von 140 Euro an den Verein „HomeLink“. Die eigene Wohnung oder das eigene Haus wird in das Angebot von über 13.000 Möglichkeiten aufgenommen, unter denen die Mitglieder des Vereins wählen können. Es fallen keine weiteren Gebühren an. Wir sind ein Verein, der nicht profitorientiert arbeitet.

 

GEO SAISON: Gibt es Regionen, die besonders begehrt sind?

MANFRED LYPOLD: Bayern, wo unser Reihenhäuschen steht, ist beliebt, aber die Wahl des Urlaubszieles setzt sich ja aus vielen Faktoren zusammen.

 

GEO SAISON: Im Katalog sieht man Villen in Florida, auf Hawaii, sogar in Vietnam. Ist Deutschland für diese Besitzer überhaupt attraktiv?

MANFRED LYPOLD: das kann man sagen. Aber Italiener zum Beispiel bekommen viel mehr Angebote, als sie abwohnen können.

 

GEO SAISON: Und eine Wohnung in Berlin findet sicherlich mehr Interessenten als eine in Magdeburg?

MANFRED LYPOLD: Stimmt. Und wohnt man in der Nähe von Heidelberg und hat den Wunsch, in den USA Ferien zu machen, ist es völlig unproblematisch, einen Tauschwilligen zu finden.

 

GEO SAISON: Wie schwer tun sich die Deutschen, fremde Menschen in ihren Betten schlafen zu lassen? Die Angelsachsen scheinen da lockerer zu sein.

MANFRED LYPOLD: Wir tendieren dazu, sehr vorsichtig vorzugehen. Aber nach der ersten Kontaktaufnahme sind es ja keine Fremden mehr, die in unserer persönlichen Umgebung wohnen werden. Man telefoniert, schickt E-mails, Fotos, trifft sich vielleicht sogar, bevor es losgeht. Lebenslange Freundschaften sind dabei entstanden.

 

GEO SAISON: Wer zahlt, wenn Porzellan zerbricht?

MANFRED LYPOLD: Solche Schäden deckt die Hausrat – oder Haftpflichtversicherung ab. Für dramatischer Fälle bietet „HomeLink“ eine zusätzliche Police an. Unser Erfahrung aber zeigt: Es passiert fast nichts. Oft werden auch die Autos benutzt. Eine befristete Vollkasko-Versicherung ist dann Pflicht.

 

GEO SAISON: Wie setzt sich das Klientel zusammen?

MANFRED LYPOLD: Es sind 50 Prozent Familien und sehr viele Akademiker und Lehrer.

 

GEO SAISON: Wie kommt das?

MANFRED LYPOLD: Amerikanische Hochschullehrer haben „HomeLink“ 1953 gegründet, deren gute Erfahrungen haben sich dann herumgesprochen.

 

GEO SAISON: Machen eigentlich auch Prominente mit?

MANFRED LYPOLD: eher nicht. Aber wir hatten Christine Kaufmann in der Kartei. Und diverse Hollywoodschauspieler.

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