H O M E L I N K  Pressestimmen
BILD am SONNTAG 16.1.2000
   
   
   
   

 


Von ANDRÉ LAMBERZ

Not macht erfinderisch: Als der Amerikaner David Ostroff in den 50er-Jahren als Gastdozent von einer Küste der USA zur anderen versetzt wurde, graute ihm davor, seine Freizeit in einem Motel oder einer ungemütlichen Pension verbringen zu müssen. Also klebte er einen Zettel ans Schwarze Brett der Uni: ,,Suche Kollegen, der Haus in Kalifornien auf Zeit mit Haus in Boston tauscht." Der Deal klappte. Heute ist daraus der ,die weltgrößte Vermittlungsorganisation für Haus-und Wohnungstausch geworden, die vor allem von Urlaubern genutzt wird. Aber geht das wirklich gut, wenn man fremde Leute in die eigenen vier Wände lässt?

,,Wir sind hellauf begeistert", sagt Friedrich Thimme (48). Der Lehrer; seine Frau Johanna (48) mit den drei Kindern Juris (3), Lukas (5) und Isa (8) sind erfahrene Häusertauscher. Im vergangenen Sommer haben sie mit einer vierköpfigen Familie aus dem holländischen Castricum das Domizil gewechselt. Vater Friedrich: ,,Das Haus liegt direkt an den Nordsee-Dünen, etwa 30 Kilometer von Amsterdam entfernt. Ein Naturschutzgebiet und das Meer in direkter Nachbarschaft - so haben wir uns das vorgestellt."

Auch die Partner-Familie, Peter (35) und Henrietta Klut (36), die schon dreimal nach Belgien und Deutschland getauscht haben, sind sehr zufrieden. ,,Im vorigen Jahr waren wir am Bodensee, aber das Haus der Thimmes und die schöne Heidelandschaft bei Jesteburg haben uns bisher am besten gefallen", sagt die zweifache Mutter.

Und wie funktioniert so ein Häusertausch? ,,Ganz einfach", sagt Manfred Lypold (50), Geschäftsführer des Homelink Holiday Service e. V im bayerischen Memmelsdorf, ,,wer für 228 Mark Jahresbeitrag Mitglied wird, bekommt den 500 Seiten starken Katalog mit 12 000 Tauschobjekten in über 30 Ländern zugeschickt. Das Angebot reicht vom einfachen Stadt-Appartement bis zur Luxusvilla mit drei Schlafzimmern und Marmorbädern. Man nimmt Kontakt mit einem möglichen Tauschpartner auf und verabredet den Termin direkt mit dem Partner." Eine Statistik über Anzahl und Ort der Vermittlungen gibt es daher nicht. Einen Trend kann Lypold aus manchen Rückmeldungen der "Tauscher" aber erkennen: ,,Besonders beliebt bei den Deutschen war im letzten Jahr Kalifornien, gefolgt von England und Australien."

Muss man keine Sorge haben, dass einem die fremden Leute die Wohnung verwüsten? Offenbar nicht: ,,In 40 Jahren wurde von keinem Homelink-Kunden Diebstahl oder Vandalismus bekannt", sagt Falk Murko, zuständig für den Bereich Urlaub/Reisen bei der Stiftung Warentest.

,,Offensichtlich funktioniert das gegenseitige Vertrauen unter den Mitgliedern, während Hotels und Vermieter von Ferienwohnungen Diebstähle und schonungslosen Umgang mit dem Mobiliar beklagen", glaubt Homelink-Geschäftsführer Lypold.

Und wenn doch mal etwas zu Bruch geht? Dann springt die normale Hausrat- oder Haftpflichtversicherung ein. Schäden bis 5000 Mark werden außerdem vom Vereins-Garantie-Fonds abgedeckt.

Johanna Thimme wollte trotzdem vor dem ,,ersten Mal" wissen, wem sie die Hausschlüssel anvertraut. ,,Wir haben auf die Familie gewartet, zusammen Kaffee getrunken und sind dann beruhigt losgefahren."

Wo liegt der Vorteil des Häusertauschs? Hauptsächlich im Preis: Thimmes gaben früher für ein Ferienhaus in Dänemark bis zu 6000 Mark für einen vierwöchigen Urlaub aus. ,,Jetzt fällt nicht nur der Übernachtungspreis am Urlaubsort weg, wir haben auch Gewissheit, dass jemand während unserer Abwesenheit unser Haus bewohnt, die Pflanzen gießt und die Kaninchen der Kinder füttert", sagt Johanna Thimme.

Und wie kommt jemand mit einer Zwei-Zimmer-Wohnung an einen Urlaub in einem Landhaus? ,,Kein Problem", weiß Manfred Lypold aus Erfahrung. Viele Tauscher suchen das, was sie zu Hause nicht haben. Wer auf dem Lande lebt, macht gern Urlaub in einer Großstadt und umgekehrt.

Trotz gutem Ruf und Absicherung - für manche Leute kommt der Haus- und Wohnungstausch nicht in Frage. Ihre Argumente fasst Physiotherapeutin Susanne Dürr (36) zusammen: ,,Der Gedanke, dass jemand in meiner Wohnung lebt, den ich nicht kenne, würde mich im Urlaub nicht in Ruhe lassen. Es gibt einfach zu viele persönliche Dinge, zu denen ich Fremden keinen Zugang geben möchte. Deshalb mache ich lieber weiterhin Urlaub im Hotel."

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Von der Heide an die Nordsee Famille Thimme aus Jesteburg/ Niedersachsen ( Foto oben) tauschte mit Familie Klut aus Castricum in Holland (Foto unten) ihr Haus. Für die Familien (die hier beide vor ihren eigenen Häusern stehen) seit Jahren eine sehr preiswerte Art, Urlaub zu machen

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