Presseartikel

ÖKO-TEST-Magazin 6/99

Feriendomizile zum Nulltarif

Warum im Urlaub nicht mal im Haus oder in der Wohnung von anderen Leuten wohnen? So werden nicht nur manche Traumziele erschwinglich, man lernt außerdem auch Land und Leute besser kennen.
Familie Müller lebt in dem Dörfchen Hürtgenwald in der Eifel, umgeben von Wald und Feldern, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Die vierköpfige Familie wohnt im eigenen Haus, ein Neubau mit Garten und Platz für ein paar Schafe und Ziegen, die sich Müllers als Streicheltiere für ihre beiden Kinder halten. Die Familie ist reiselustig. In den vergangenen Jahren haben die vier in Holland, Belgien, Schweden, Ungarn, Malaysia und sogar in Südafrika Urlaub gemacht.
Binh und Michael Müller sind Mitglied bei HomeLink International... Binh Müller kann sich kaum noch vorstellen, als Pauschaltouristin Urlaub zu machen. Und das nicht nur, weil die Ferien im Tauschverfahren wesentlich preiswerter als ein Hotel oder eine andere gemietete Unterkunft sind: »Man fühlt sich wie zu Hause. Es gibt eine gut eingerichtete Küche, eine Waschmaschine, und die Kinder haben Platz zum Toben und Spielen.« Schlechte Erfahrungen haben die Müllers bei keiner ihrer Reisen gemacht. Im Gegenteil: Der Kontakt zu den Tauschpartnern besteht noch immer.. »Haustauscher machen keine Ferien im Garte, sie nutzen ihr Domizil vor allem als Ausgangspunkt für Sightseeing-Touren...Oft werden mit dem Domizil auch Fahrräder, Boote, andere Sportgeräte und bei Überseereisen sogar die Autos getauscht. »Haustauscher sind ein offenes Völkchen«, beschreibt Manfred Lypold, Vorsitzender des Holiday-Service Vereins und selbst begeisterter Anhänger dieser Urlaubsvariante, seine Erfahrungen. »Man ist wie bei Freunden zu Gast, lernt die Nachbarn, eine andere Lebensweise, das Land von innen kennen.«
Das ist es auch, was Klaus Hövelmann aus Kreuztal im Siegerland an dieser Urlaubsvariante am meisten schätzt. »Es ist spannend zu sehen, wie andere Leute leben.« Zehnmal schon hat er sich mit seiner Frau und den drei Kindern auf das Experiment Haustausch eingelassen. Die Partner kamen aus Norwegen, Frankreich, Belgien, den Niederlanden und aus Florida. Auch für die Kinder sei diese Art von Urlaub viel interessanter als ein Aufenthalt im Touristenghetto. Das Fängt schon bei der Ankunft an. »Die Reise kann noch so stressig gewesen sein«, erzählt Hövelmann, »statt maulend in einem anonym eingerichteten Apartment herumzuhängen, sind sie sofort verschwunden und mit der Erkundung der Kinderzimmer und der fremden Spielsachen beschäftigt«.
Die Sorge, daß die Gäste im eigenen Haus etwas beschädigen oder gar mitgehen lassen, hält Lypold für völlig unangebracht. "Wer seine eigenen vier Wände zur Verfügung stellt, der geht auch pfleglich mit dem Eigentum anderer um." Und wenn doch mal etwas kaputt geht, stehen Hausrat- und Haftpflichtversicherung, die ohnehin fast jeder hat, für den Schaden ein. Häusliche Pflichten, Blumengießen oder Tiere füttern etwa, werden vor der Reise vereinbart und in einem Tauschvertrag festgelegt.Wer dennoch unsicher ist, kann auch erst mal für ein Schnupperwochenende tauschen und sich danach für eine längere Reise entscheiden.
Kristiane Wendy mußte sich nicht dazu überwinden, fremde Leute in ihrem Reihenhäuschen in Hamburg-Niendorf wohnen zu lassen. »Ich gehöre nicht zu den Leuten, die ihr Silber zählen und das erwarte ich auch von anderen.« Zusammen mit ihrem Mann und den bei den Kindern hat sie im vergangenen Jahr zum ersten Mal Urlaub im Tauschverfahren ausprobiert und ist begeistert. Probleme, sich in dem fremden Haushalt zurechtzufinden, hatten weder die Wendys noch ihre Schweizer Tauschpartner.Wie die technischen Geräte funktionieren, das habe man sich gegenseitig mit Zetteln erklärt. Die Hamburgerin glaubt, daß nur eine Voraussetzung für den Urlaub per Home-Exchange wichtig ist: »Es darf einem nichts ausmachen, daß jemand anderes im eigenen Bett schläft.« ...Es gibt keine Mindestanforderungen, die Teilnehmer erfüllen müssen. Wichtig sei nur, rät Lypold vom Holiday Service-Verein, »daß das eigene Heim so ehrlich wie möglich beschrieben wird.« Getauscht werden kann prinzipiell alles: die Single-Wohnung im Zentrum einer Großstadt genauso wie der Bauernhof oder das Ferienhäuschen am Meer.

Zurück zu Pressestimmen