Erfahrungsbericht
Wochenendtrip oder Fernreise – Haustausch funktioniert immer
[Abdruck frei, Beleg erbeten]


Unser erster Haustausch in die Niederlande

 Zugegeben, zuerst stand für uns der finanzielle Aspekt im Vordergrund als wir begannen, uns für das Thema Haustausch zu interessieren, aber es gab auch noch andere Gründe dafür: In den letzten Jahren hatten wir unseren Urlaub in privaten Ferienhäusern in Schweden verbracht. Was uns dabei sehr angesprochen hat, war, dass diese Häuser von den Eigentümern auch regelmäßig genutzt wurden, und das war schon etwas anderes, als in ein „steriles“ Ferienhaus zu kommen!

 Von der Idee des Haustausches hatten wir vor langer, langer Zeit mal gehört – und zuerst informierten wir uns im Internet. Was wir dort zu diesem Thema alles entdeckten war hoch spannend. Natürlich stöberten wir auch in den Plauderstübchen und Diskussionsforen, um Vor- und Nachteile des Haustausches auszumachen. Dann nahmen wir Kontakt mit einer Homelink-Familie in unserem Ort auf, die bereits mehrere Haustausche, auch ins Ausland, gemacht hatte. Ihre Schilderungen waren sehr interessant für uns, zumal diese Familie immer mit vier Kindern gereist war.

Natürlich gab es auch Bedenken, wie es denn sein würde, wenn fremde Menschen in unseren vier Wände leben würden, und ob der Aufwand unser Haus für die Tauschpartner vorzubereiten und gleichzeitig unsere Reisevorbereitungen zu treffen, nicht zu groß wäre. Doch irgendwann gaben wir uns einen Ruck und sagten uns, dass wir es einfach ausprobieren wollten, denn es gab noch einen anderen Punkt, der uns sehr lockte: Einmal etwas ganz Neues auszuprobieren!

 Für eine Mitgliedschaft bei HomeLink haben wir uns deshalb entschieden, weil unsere Kontaktfamilie vor Ort auch bei HomeLink ist, das Tauschangebot weltweit sehr groß ist, und weil es einen Garantiefonds von 2.500 Euro gibt. Natürlich hatten wir auch bei vielen anderen Organisationen „geblättert“, doch schien uns die Mitglieder-Datenbank bei HomeLink mit den vielen verschiedenen differenzierten Möglichkeiten am ausgefeiltesten.

Schon die Zusammenstellung unserer Anzeige war ein Erlebnis für uns, denn beim Zusammentragen der Einzelheiten für den Text durften wir immer mehr feststellen, was uns eigentlich alles umgibt: unser gemütliches Zuhause, die ruhige Region, in der wir leben dürfen ... Kurzum: Wir begannen, unser Zuhause aus einer ganz anderen  Perspektive zu betrachten. Dann, im April 2006 war es soweit. Wir stellten die Anzeige bei HomeLink ein. Bald darauf kamen die ersten Einladungen und wir selbst schrieben auch viele Anfragen, weil wir zu diesem Zeitpunkt noch gerne nach Südengland tauschen wollten. Leider machten wir die Erfahrung, dass wir mit unseren Anfragen schon etwas spät dran waren und viele Mitglieder bereits ihre Tauscharrangements vereinbart hatten.

 Also, unser Ziel Süd-England ließ sich nicht mehr realisieren. Und immer noch waren wir auf der Suche. Irgendwann, aus einem Impuls heraus, landete ich in Holland. Und schließlich bei einer Familie, die ebenfalls zwei Kinder im Alter von 11 und 13 Jahren hatte. Tatsächlich schrieb die holländische Familie zurück, dass sie sich einen Haustausch mit uns vorstellen könnte. Sie selbst hatten schon viermal ihr Haus getauscht. Ihre endgültige Antwort zog sich jedoch noch etwas hin, ebenso wie unsere Entscheidung, ob wir es wirklich machen wollten. Wir holten weitere Informationen ein, mailten Fotos hin und her und diskutierten die Tauschpläne in unserer Familie, wobei eine große Frage war, ob unsere beiden Mädchen bereit wären, ihre „kleinen Reiche“ so herzurichten, dass ein fremdes Kind darin wohnen könnte.

Schließlich einigten wir uns mit der holländischen Familie auf eine Tauschzeit. Wir telefonierten miteinander und hatten ein sehr gutes Gefühl, denn viele Dinge schienen zu passen. So sollten wir auf ihre Kaninchen und ihre Katze aufpassen, sie auf unseren Wellensittich. Die beiden Jungen besuchen eine Waldorfschule in Leiden, unsere Mädchen die Waldorfschule in Oldenburg. Wir vereinbarten, dass das Haus sauber sein sollte, die Betten frisch bezogen sein sollten und Handtücher benutzt werden durften. Die Schmutzwäsche sollte bei Abreise vor der Waschmaschine liegen. Ebenso sagten wir ihnen, dass wir unseren Dachbodenraum nicht zur Verfügung stellen wollten.

Die Vorbereitungen für den ersten Haustausch waren schon etwas aufwändig. So gab es ein Groß-Reinemachen und Räumen im ganzen Hause, wie schon lange nicht mehr. Aber das hat ja auch seine Vorteile! Wir stellten für unsere Tauschfamilie eine Infomappe mit den wichtigsten Punkten zu Haus, Wellensittich, Nachbarn, Einkaufsmöglichkeiten und Informationen über unsere Umgebung zusammen. Unsere Nachbarn hatten wir über unsere Tauschpläne informiert, und sie waren genauso gespannt wie wir. Tatsächlich haben wir beiden Haustausch-Familien es noch geschafft, uns an einer Autobahn-Ausfahrt auf dem Wege kurz zu treffen und die letzten Anweisungen auszutauschen. Für uns war es, als träfen wir auf Freunde, denen wir unser Haus überließen!

 Dann endlich kamen wir in Leiden an. Zwar hatten wir auf Fotos alles schon einmal gesehen, aber doch war alles anders! Sehr viele Ähnlichkeiten fielen uns auf: von Mobiles, die auch in unserem Hause hängen, bis über eine gleiche Kaffeekanne in der Küche, Lektüre, die wir dort auf holländisch fanden und zuhause auf deutsch haben, ein ähnliches Faible für Naturmaterialien wie Steine und Muscheln im Hause. Dort wurde ebenfalls mit Gas gekocht, und zwar vegetarisch – wie bei uns. Und beim ersten Telefonat fragte die holländische Familie, ob wir schon mal auf Amorgos, einer griechischen Kykladen-Insel gewesen wären, da wir viele Postkarten von Amorgos im Flur stehen hätten. Mein Mann und ich waren im Juni dort gewesen – und das holländische Paar kannte diese Insel von vielen, vielen Reisen dorthin.

 Die Mädchen bezogen ihre Zimmer und waren zufrieden. Unsere jüngste Tochter ist in ihrer Aufgabe, die zwei Kaninchen und eine Katze zu versorgen, völlig aufgegangen. Für meinen Mann und mich war die Erfahrung mit einer Katze als Haustier sehr aufschlussreich, so dass wir jetzt sagen können, eine Katze möchten wir nicht als Haustier haben. Unser Wellensittich hatte sich nach 2 Eingewöhnungstagen auch mit der neuen Familie wohl gefühlt. Die holländischen Jungen liebten das Tier sehr – doch zu ihrem großen Unglück starb der Vogel am letzten Tag ihres Aufenthaltes bei uns. Da sie den Vogel sehr ins Herz geschlossen hatten, beerdigten sie ihn in unserem Garten. In unserem Gästebuch schrieben sie dann noch von einem „würdevollen Beerdigungsessen“.

Wir hingegen hatten die Sorge, dass die Kaninchen nicht ausreißen, weshalb mein Mann viel an den Gehegen herumbastelte, um sie „ausbruchsicher“ zu machen.

 Wir fühlten uns wohl in dem holländischen Haus und durften in Leiden – teilweise – den Hochsommer genießen: Wir haben viel im Meer und im See gebadet, sind gesegelt und viel Rad gefahren. Als das Wetter umgeschlagen ist, freuten wir uns über das Brandungsbaden im Meer. Die holländische Familie meinte beim Einzug in unser Haus, dass „sie ein ganzes Jahr in diesem Hause leben wollten“. Ihren Aussagen nach zu urteilen haben sie sich sehr wohl gefühlt – und sehr viel in unserer Region unternommen – so schilderten es uns zumindest die Nachbarn, die nämlich diese Familie kaum zu Gesicht bekommen hatten.

 Als wir in unser Zuhause heimkehrten, waren wir sehr gespannt, wie wir das Haus nun vorfinden würden. Und es war als wäre die Zeit über niemand anders drin gewesen: Alles war so aufgeräumt und sauber, wie wir es verlassen hatten. Welch eine Erfahrung für unsere Familie! Wir haben eine Gegend kennen gelernt, in die wir sonst vielleicht nie gefahren wären, und unsere holländische Haustausch-Familie hat uns ermöglicht, ein Stück holländisches Lebensgefühl erfahren zu dürfen. Ihr gebührt unser großes Dankeschön. Summa summarum können wir sagen, dass ein Haustausch rein aus Vernunftgründen nicht möglich ist. Da schwingt viel Anderes mit, um wirklich die "richtigen" Tauschpartner zu finden. Das geht - für uns zumindest - mehr "aus dem Bauch heraus". Es muss sich absolut stimmig anfühlen, das ist für uns das A + O.

Dieses werden wir auf alle Fälle beim nächsten Haustausch beherzigen. Einladungen liegen uns schon aus Paris und Berlin vor, die wir mal für ein verlängertes Wochenende wahrnehmen wollen. Für den nächsten Sommer würde uns Süd-England vorschweben – und diesmal werden wir schon im Spätherbst mit der Suche beginnen.

Silke Kreikenbohm, Mitgliedsnummer: DE007946

HomeLink Ansprechpartner:  Manfred Lypold   Tel 09503-5200  
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